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Schwerhörigkeit wichtigster Risikofaktor im mittleren Alter für Demenz und Alzheimer

Ein nachlassendes Hörvermögen wird oft nicht ernst genommen. Viele scheuen aus Eitelkeit den Gang zum Arzt, weil sie kein Hörgerät tragen möchten. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Schwerhörigkeit zählt zu den wichtigen, potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren für eine spätere Alzheimer- oder Demenzerkrankung. Neuere Daten weisen jedoch darauf hin, dass der Einfluss moderater ist als lange angenommen. 

Warum ist Schwerhörigkeit schädlich für unser Gehirn?

Ein nachlassendes Hörvermögen kommt meistens schleichend. Oft bemerken es Betroffene selbst zunächst gar nicht. Dem Umfeld fällt aber auf, dass immer häufiger Nachfragen kommen oder der Fernseher lauter gestellt wird. „Menschen, die schlecht hören, verarbeiten weniger akustische Reize. Viele reagieren auch mit Rückzug, weil sie Gesprächen nicht mehr so gut folgen können oder schnell müde werden. Das Gehirn ist dann weniger gefordert und die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. Dadurch erhöht sich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken“, führt Thienpont aus.

Was kann man tun?

„Ab Mitte 50 kann das Hörvermögen durch altersbedingten Verschleiß schlechter werden. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern das Gehör regelmäßig von einer Fachärztin oder einem Facharzt untersuchen lassen. In den meisten Fällen können Defizite durch ein Hörgerät ausgeglichen werden“, so Thienpont. Wird eine Hörhilfe ärztlich verordnet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten bis zu einer Obergrenze. Ist die Hörschwäche krankheitsbedingt, sollten die Ursachen behandelt werden. Das können zum Beispiel Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen oder Schäden an der Halswirbelsäule sein.

Bestellinformation Vorbeugen-Broschüre

Neben Schwerhörigkeit gibt es 11 weitere Risikofaktoren, die eine Alzheimer-Krankheit begünstigen. In der Broschüre „Alzheimer vorbeugen – Gesund leben, gesund altern“ sind alle Faktoren ausführlich erklärt. Die Broschüre kann kostenlos bestellt werden bei der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V., Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf; Telefonnummer 0211 – 86 20 66 0; Webseite: www.alzheimer-forschung.de/alzheimer-vorbeugen.

Update 2025:

Neue Daten aus zwei großen britischen Langzeitkohorten (Whitehall II und UK Biobank; insgesamt fast 400 000 Teilnehmende) zeigen, dass ein Hörverlust im mittleren Lebensalter mit einem moderaten, aber statistisch belastbaren Anstieg des späteren Demenzrisikos verbunden ist. Dieser Effekt fällt jedoch deutlich geringer aus als in älteren Metaanalysen vermutet. In der aktuellen Analyse lag die Risikoerhöhung bei etwa 10–12 %.

Auffällig ist zudem, dass die Nutzung eines Hörgeräts nicht mit einem niedrigeren Demenzrisiko assoziiert war. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass dies vermutlich keinen negativen Effekt der Hörgeräte selbst bedeutet, sondern eher zeigt, dass Hörgeräte vor allem von Menschen mit bereits stärker ausgeprägter Hörminderung getragen werden.

Der Anteil aller Demenzfälle, der auf einen Hörverlust im mittleren Lebensalter zurückgeführt werden kann, wurde in der Studie auf rund 4,7 % geschätzt – und damit deutlich niedriger als bisher angenommen.

Trotz der relativen Abschwächung bleibt Hörverlust ein relevanter, potenziell beeinflussbarer Risikofaktor. Eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung – einschließlich der Abklärung möglicher Ursachen sowie der Versorgung mit Hörsystemen bei entsprechendem Befund – bleibt daher ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Prävention.

Die Forschung entwickelt sich dynamisch. Aktuelle Studien legen nahe, dass die Rolle von Hörverlust bei der Demenzentstehung komplexer ist als bislang angenommen. Für die individuelle Prävention bleibt jedoch entscheidend, Hörminderungen früh zu erkennen und konsequent zu behandeln.

Quellen

 

Lesen Sie dazu auch den Beitrag zum Thema „Wissenschaft zeigt: Impfungen können das Demenzrisiko mindern„

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