Hochauflösende 3D-Diagnostik in der HNO-Heilkunde
Die Digitale Volumentomografie (DVT), international auch als Cone Beam CT (CBCT) bezeichnet, ist ein dreidimensionales Röntgenverfahren, das insbesondere knöcherne Strukturen mit hoher räumlicher Auflösung darstellen kann.
In der HNO-Heilkunde ermöglicht die DVT eine detaillierte Darstellung komplexer anatomischer Strukturen des Gesichtsschädels. Je nach medizinischer Fragestellung können insbesondere die Nasennebenhöhlen, Nase und Mittelgesicht sowie Gehörgang, Felsenbein, Mittel- und Innenohr untersucht werden.
Die dreidimensionale Darstellung kann wichtige zusätzliche Informationen für die Diagnostik und Behandlungsplanung liefern. Gerade bei komplexen anatomischen Verhältnissen können Befunde präzise lokalisiert und operative Eingriffe individuell geplant werden.
Vorteile der DVT
- Hohe räumliche Auflösung, insbesondere für feine knöcherne Strukturen
- Detaillierte dreidimensionale Darstellung komplexer anatomischer Verhältnisse
- 3D-Datensatz mit Auswertung in verschiedenen Ebenen und Ansichten
- Gezielte Untersuchung der medizinisch relevanten Region durch anpassbares Aufnahmevolumen
- Sehr kurze Aufnahmezeit von meist nur wenigen Sekunden
- Dosisoptimierte Untersuchungsprotokolle entsprechend der jeweiligen Fragestellung
- Bei geeigneten Untersuchungen kann die Strahlenexposition geringer sein als bei einer konventionellen CT-Untersuchung
Typische Anwendungsgebiete
Eine DVT kann bei entsprechender medizinischer und strahlenschutzrechtlicher Indikation unter anderem bei folgenden Fragestellungen eingesetzt werden:
- chronische oder rezidivierende Erkrankungen der Nasennebenhöhlen
- anatomische Engstellen und Abflussbehinderungen der Nasennebenhöhlen
- Schleimhautveränderungen, Sekretverhalt und ausgewählte umschriebene Veränderungen
- Abklärung einer möglichen dentogenen Ursache einer Nasennebenhöhlenerkrankung
- chronische Erkrankungen des Mittelohres und knöcherne Veränderungen des Felsenbeins
- Abklärung ausgewählter Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit
- angeborene oder erworbene knöcherne Fehlbildungen im Bereich von Mittel- und Innenohr
- Frakturverdacht und Beurteilung knöcherner Verletzungen
- präoperative Darstellung komplexer knöcherner Anatomie bei ausgewählten operativen Eingriffen
Welche Bildgebung für eine bestimmte Erkrankung am besten geeignet ist, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Insbesondere bei Weichteilveränderungen können andere Verfahren wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich oder besser geeignet sein.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Die eigentliche Aufnahme dauert in der Regel nur wenige Sekunden und kann – abhängig vom verwendeten Gerät und der Untersuchungsregion – im Sitzen oder Stehen erfolgen.
Während der Aufnahme bewegen sich Röntgenquelle und Detektor um die zu untersuchende Region. Aus den dabei gewonnenen Projektionsaufnahmen wird anschließend ein dreidimensionaler Datensatz rekonstruiert. Dieser kann in verschiedenen Ebenen und Ansichten ausgewertet werden.
Die detaillierte Darstellung ermöglicht es, die Befunde anschließend mit Ihnen zu besprechen und – falls erforderlich – die weitere Diagnostik oder Behandlung gezielt zu planen.
Strahlenschutz und rechtfertigende Indikation
Bei der DVT kommt ionisierende Röntgenstrahlung zum Einsatz. Eine DVT wird daher nicht allein aufgrund des Wunsches nach einer besonders detaillierten Bildgebung durchgeführt.
Vor jeder DVT prüft ein entsprechend fachkundiger Arzt, ob eine rechtfertigende Indikation für die Untersuchung besteht.
Dabei wird abgewogen, ob der zu erwartende diagnostische Nutzen die mit der Strahlenexposition verbundenen Risiken rechtfertigt und ob die benötigten Informationen gegebenenfalls mit einem geeigneten Verfahren ohne ionisierende Strahlung gewonnen werden können.
Ist eine DVT medizinisch gerechtfertigt, wird die Untersuchung nach dem Grundsatz der Dosisoptimierungdurchgeführt. Die Strahlenexposition soll so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar sein, ohne die für die jeweilige Fragestellung erforderliche diagnostische Bildqualität zu beeinträchtigen.
Hierzu tragen insbesondere ein auf die erforderliche Region begrenztes Aufnahmevolumen sowie ein an die jeweilige Fragestellung angepasstes Untersuchungsprotokoll bei.
Wie hoch ist die Strahlenexposition?
Die Strahlenexposition einer DVT lässt sich nicht mit einem einzigen allgemein gültigen Wert angeben. Sie hängt unter anderem von der untersuchten Region, der Größe des Aufnahmevolumens, der erforderlichen Bildqualität, den Geräteeinstellungen und dem verwendeten Untersuchungsprotokoll ab.
Pauschale Prozentangaben zur Strahlenreduktion gegenüber anderen Röntgenverfahren sind deshalb nicht sinnvoll. Bei geeigneten Fragestellungen kann eine DVT gegenüber einer konventionellen Computertomografie mit einer geringeren Strahlenexposition verbunden sein. Die tatsächliche Dosis hängt jedoch vom jeweiligen Untersuchungsverfahren und -protokoll ab.
Wann darf eine Röntgenuntersuchung wiederholt werden?
Für Röntgenuntersuchungen besteht keine allgemeine Mindestwartezeit. Entscheidend ist bei jeder erneuten Untersuchung, ob sie medizinisch erforderlich und strahlenschutzrechtlich gerechtfertigt ist.
Bereits vorhandene und für die aktuelle Fragestellung geeignete Voraufnahmen sollten deshalb berücksichtigt werden, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden.
Kosten und Krankenversicherung
Die DVT gehört in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung nicht regelhaft zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Ob die Untersuchung im individuellen Behandlungsfall zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden kann, wird vor der Untersuchung geprüft.
Besteht eine medizinische Indikation, ohne dass die DVT im konkreten Behandlungsfall zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden kann, kann sie nach vorheriger Information über die entstehenden Kosten als privatärztliche Leistung durchgeführt werden.
Bei privat versicherten Patienten richtet sich die Kostenerstattung nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag und Tarif. Eine Kostenübernahme kann daher nicht generell zugesichert werden.